Ab dem 1. Januar 2027 soll frisches Schweinefleisch aus deutscher Mast im Handel verpflichtend mit der staatlichen Haltungsform gekennzeichnet werden. Doch der Zeitplan wackelt: Ende August 2026 hat die EU-Kommission die geplante Reform des Gesetzes ausgebremst. Wir fassen zusammen, was bekannt ist und was Sie als Schweinehalter jetzt im Blick behalten sollten (Stand: Ende September 2026).
Worum es geht
Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) schreibt eine staatliche Kennzeichnung mit fünf Haltungsformen vor: Stall, Stall+Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Es gilt bisher für unverarbeitetes Frischfleisch von Mastschweinen. Die Kennzeichnung kann bereits freiwillig genutzt werden. Die Pflicht hat der Bundestag im Januar 2026 um zehn Monate auf den 1. Januar 2027 verschoben – mit dem Ziel, das Gesetz in dieser Zeit grundlegend zu überarbeiten.
Was die Reform ändern sollte
Im März 2026 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Entwurf zur Änderung des THKG vorgelegt. Die wichtigsten Punkte:
- Kennzeichnungspflicht auch für importiertes Schweinefleisch
- Einbeziehung früherer Lebensabschnitte der Tiere
- Ausweitung auf weitere Vertriebswege, etwa Online-Handel, Metzgereien und die Außer-Haus-Verpflegung
- Erweiterte Regeln zum „Downgrading“: Fleisch aus einer höheren Haltungsform darf unter einer niedrigeren Stufe vermarktet werden
Warum es jetzt hakt
Weil die Reform auch Importware betrifft, musste Deutschland sie bei der EU notifizieren. Die EU-Kommission und sechs Mitgliedstaaten – Lettland, Polen, Österreich, Tschechien, Frankreich und Spanien – haben daraufhin ausführliche Stellungnahmen eingereicht. Kritisiert wird vor allem die Pflichtkennzeichnung von Schweinefleisch aus anderen EU-Ländern als mögliches Handelshemmnis.
Die Folge ist eine Stillhaltefrist bis zum 12. November 2026: Bis dahin darf der Bundestag die Änderung nicht beschließen. Bis zum geplanten Start am 1. Januar 2027 bleibt damit kaum Zeit. Fachmedien halten einen fristgerechten Start der reformierten Fassung für sehr unwahrscheinlich; eine erneute Verschiebung wird diskutiert. Scheitert die Reform, könnte Anfang 2027 die bisherige Gesetzesfassung greifen. Aus mehreren Bundesländern kommt inzwischen sogar die Forderung, das staatliche Label ganz abzuschaffen.
Was das für Ihren Betrieb heißt
Unabhängig vom politischen Ringen gilt: Wer Mastschweine hält, muss seine Haltungseinrichtungen der zuständigen Landesbehörde mitteilen und erhält dafür eine Kennnummer. Zuständig sind in unseren Bundesländern:
- Baden-Württemberg: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) – Mitteilung per Formular
- Bayern: Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) – Online-Portal
- Hessen: Regierungspräsidium Gießen – Online über das Beteiligungsportal Hessen
Die Programme der Initiative Tierwohl sind unabhängig davon und laufen weiter. Sie orientieren sich aber an den Stufen der Haltungsformkennzeichnung: „Stall plus Platz“, „Frischluftstall“ und „Auslauf“. Wer im Rahmen der ITW umbaut oder in ein höheres Programm wechselt, sollte auch die staatliche Mitteilung aktuell halten.
Unser Tipp
- Prüfen Sie, ob die Mitteilung Ihrer Haltungseinrichtungen vollständig ist und zum aktuellen Stand im Stall passt.
- Nach Umbauten oder einem Programmwechsel die Angaben bei der Landesbehörde zeitnah anpassen.
- Keine vorschnellen Investitionen allein wegen der staatlichen Kennzeichnung – der rechtliche Rahmen kann sich bis Jahresende noch ändern.
Fragen zur Haltungsform oder zum Wechsel in ein ITW-Programm? Rufen Sie uns an: 0151 65683235 – oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Sobald es Neuigkeiten zum Starttermin gibt, informieren wir Sie hier.
Quellen
- ISN: Bundestag beschließt Fristverlängerung (Januar 2026)
- ISN: Referentenentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums liegt vor (März 2026)
- PROVIEH: EU-Kommission kritisiert die deutsche Tierhaltungskennzeichnung (August 2026)
- afz: THKG-Reform auf der Kippe (August 2026)
- LGL Baden-Württemberg: Tierhaltungskennzeichnung
- ISN: So läuft das Meldeverfahren in den Bundesländern
- Initiative Tierwohl: Anmeldestart für neue Tierwohlprogramme


